80. Geburtstag ...bei den Stengbauern, Gemeinde Schönberg, das Ehepaar Reichl ca 1960.




Friedrich Georg Letsch

* 23. Februar 1954













Vier der Familie Letsch in arnegg ca 1938












d. 31.7.41

Liebe Eltern und Geschwister!

Heute sollt ihr nach langer Zeit wieder einmal etwas
von mir hören. Muß euch aber leider die Mitteilung ma-
chen, dass ich am 24.7. in Smolensk verwundet wur-
de. Durch eine Granate wurde ich schwer verwundet
und verlor mein linkes Bein. Augenblicklich liege
ich in einem Lazarett in Rußland weit hinter der
Front. Durch die rasche ärztliche Hilfe konnte ich sofort
operiert werden. Das Schlimmste habe ich schon über-
standen, und ich sehe meiner Heilung entgegen.
Die Hauptsache ist, daß ich mein Leben behalten
habe. Ihr dürft darum außer Sorge um mich sein,
und ich bitte Euch bei dieser Nachricht stark und tapfer
zu bleiben. Durch eine Verletzung meiner rechten
Hand konnte ich selbst noch nicht schreiben und habe
dem Lazarettpfarrer die Zeilen diktiert.
....verbindung ist hier unbestimmt, weil ich nicht weiß,
wann ich weitertransportiert werde. Für alle
Fälle gebe ich die Feldpostnummer an: 42028

Bleistiftnotiz ??? .... 11.3.1913 ..... 1.8.1935

für heute will ich schließen und grüße Euch alle
recht herzlich in der Hoffnung auf ein Wiedersehen

Euer Fritz




Liebe Familie Letsch! Die vorstehenden Zeilen
habe ich im Auftrag Ihres Sohnes und Bruders
Fritz an seinem Bett geschrieben. Ich kann Ihnen
sagen, daß er guten Mutes ist, und daß die
Heilung fortschreitet. Ich grüße Sie alle in
Ehrfurcht vor dem Opfer Ihres Sohnes

Ihr Wilh. Pip

Kath. Kriegspfarrer

42028


lange meinte ich, aus einer "guten" familie zu kommen, in der letzten zeit hatte ich allerdings gelegenheit, etliches zu erinnern, das auch eher traurige zustände in meiner kindheit freilegte.

natürlich waren prügel in den fünfziger und sechziger jahren "normal", aber es gab für die vollzieher keine grenze gegenüber den opfern,
wie es heute bei jenen menschen mit grundlegender akzeptanz von folter und todesstrafe immer noch ist: recht haben ist macht haben.

und es galten unseren eltern die grundsätze des herrn dr. schreber,
so früh und entschieden die kinder zurechtzubiegen,
dass sie es dann auch mit dem 2. lebensjahr vergessen.

als kind hatte ich allerdings auch schon den punkt erreicht,
den vollziehern gar nicht mehr zu trauen, mit etwa 9 jahren.
Ich wollte nie mehr verzeihen, was ich gerade erlebt hatte.

und doch gab es dann noch die andere seite,
ein besonders braves kind zu werden,
scheinbar über-angepasst und ordentlich.
innere und äussere täuschung ...

das innere kind war misshandelt, verstört.
und es gab keine perspektive, wegzulaufen.
ich lief in innere welten weg, und später, sobald es ging,
in meine eigene welt der selbständigkeit.

allmählich kann ich die schädigungen meiner eltern durch das 3. reich,
ihre hoffnungen, rettungen und verstörungen im krieg nachvollziehen.
die bilder der beiden gefallen brüder von vater und mutter, franz und michael*,
hingen in unserem kinderzimmer in trauerrahmen an der wand.

wir waren das überleben, schon wieder vom osten bedroht
und mit materialien der aktion eichhörnchen ernährt:
vorräte für monate im haus anzusammeln und regelmässig
durch frische zu ersetzen. und das haus abzahlen.

die tabus des 3. reiches klauten ihnen allerdings auch
die freimütige erinnerung an ihre jungen jahre,
und wir wuchsen mit eltern auf,
die scheinbar nie jung gewesen waren.

ja, da waren schöne zeiten dazwischen. und schreckliche.
die goldenen waren leicht zu erinnern,
die schrecklichen bereiten mühe und schmerz. heute noch.
und immer wieder, wenn das verhalten der alten sich wiederholt.































wir 68er: Realschule Altötting






















die Eltern mit der Enkelin Rosanna * 6.11.1984